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Posted in Unspecified
Endlich hatten wir es doch geschafft! Es hatte so unmöglich ausgesehen, diese Reise nach Spanien zu unternehmen, um genealogische Nachforschungen anzustellen — die Planung, die wochenlangen Sorgen wegen der Finanzierung, die Gebete und Tränen wegen der Kinder, die wir zu Hause lassen mußten, und die ellenlangen Listen mit allem, was zu erledigen war.
Aber jetzt saßen wir in einem kleinen Zimmer in einer spanischen Kirche. Mein Mann George war begeisterter Genealoge. Ganz aufgeregt zeigte er mir die schweren Bände mit den vielen Pergamentseiten, auf denen die Geistlichen seit dem sechzehnten Jahrhundert die Eheschließungen, Taufen und Todesfälle verzeichnet hatten. Sie waren beeindruckend, und ich setzte mich, um George zu helfen, sie durchzugehen — in der Hoffnung, seine Begeisterung werde auch mich anstecken.
Leider verging Stunde um Stunde, ohne daß das, was George so leichtfiel, auch mir leichtgefallen wäre. Er konnte stundenlang über diesen Seiten sitzen und seine Umgebung dabei völlig vergessen. Mir dagegen fiel. jede, unbequeme Einzelheit auf. Der Holzstuhl wurde nach ein paar Stunden unerträglich, die Schatten, die die Glühbirne warf, erschwerten das Lesen, und mir war so kalt, daß ich vom Zittern schon Rückenschmerzen hatte.
Mir war das peinlich, und ich war von mir enttäuscht. George hatte schon immer gern genealogische Nachforschungen betrieben, und ich hatte gebetet, mich genauso dafür begeistern zu können. Aber die langen, kalten Stunden erschienen mir endlos.
Endlich war es an der Zeit, an einer anderen Familienlinie zu arbeiten. Da wir gerade erst begannen, in dieser Linie zu forschen, ging George die Bücher mit den Eheschließungen durch, während ich mich mit den Taufen und Geburten befaßte. Dabei fühlte ich mich besonders zu einer bestimmten Familie in den Aufzeichnungen hingezogen. Ich hatte das Gefühl, daß ich die Mutter kannte, als ich die Geburtsurkunden ihrer Kinder eine nach der anderen fand. Ihre Kinder waren etwa im gleichen Abstand geboren wie meine, und ich mußte an meine Schwangerschaften und die Reaktionen unserer Kinder auf jedes neue Baby denken. Ich war jetzt schon zwei Wochen von zu Hause fort, und die Erinnerung an Kinderlärm, feuchte Küsse und begeisterte Umarmungen tat mir gut.
Dann schlug George vor, ich solle mich eine Weile mit den Sterbeurkunden befassen. Da ich immer noch in derselben Zeit war, waren mir die Namen, die ich fand, vertraut, und ich verzeichnete den Tod mehrerer älterer Familienangehöriger. Aber ich rechnete nicht mit dem Tod so vieler jüngerer Menschen, und mir stiegen Tränen des Mitgefühls in die Augen, als ich den Namen eines der Kinder meiner „Freundin” fand, das mit drei Jahren gestorben war. Als ich weiterblätterte und feststellte, daß nur acht Tage danach ihr sechsjähriges Kind gestorben war, tat mir das Herz weh, und ich mußte heftig weinen.
Ich dachte wieder an meine Kinder, die genauso alt waren — an das Gefühl, wenn ich sie auf dem Schoß hatte, an ihr Lachen und ihre Stimmen bei uns im Haus. Ich war von Mitleid erfüllt und konnte nicht aufhören zu weinen, während ich weiterblätterte.
Aber als ich dann sah, daß sechs Monate nach dem Tod der beiden Kinder auch der Mann gestorben war, konnte ich nicht weiterschreiben, und jetzt bemerkte auch George mein Schluchzen. „Ich verstehe einfach nicht, warum sie das alles durchmachen mußte”, sagte ich. „Es kommt mir so ungerecht vor.”
Da wurde mir plötzlich bewußt, worum es bei der Genealogie und Tempelarbeit eigentlich wirklich geht, und meine Gefühle und Gedanken überschlugen sich. „Liebe Freundin”, dachte ich. „Deshalb bin ich hier.
Dein Leiden hat einen Sinn gehabt, ich kann etwas für dich tun. Dank der Liebe des Erlösers und des Tempels kann ich dir deinen Mann und deine Kinder zurückgeben. Sie können jetzt für immer dir gehören, so wie meine mir gehören."
Mir liefen weiter Tränen über das Gesicht, aber jetzt waren es Tränen des inneren Friedens und der Freude und der stillen Dankbarkeit für den Tempel und die Familie und dafür, daß ich mithelfen konnte.
Nach der Rückkehr aus Spanien hatte der Tempelbesuch für mich einen tieferen Sinn. Ich vollzog die heiligen Handlungen für meine neue Freundin und empfand Achtung vor ihr und vor ihrem Leben. Sie hatte mit Entbehrungen und einer Nähe zum Tod leben müssen, die ich niemals durchmachen mußte. Ich konnte zwar nicht das heiße Wasser oder das Shampoo oder die Medikamente für meine kranken Kinder mit ihr teilen, aber dafür konnte ich ihr das geben, was mir am meisten bedeutet die Segnungen des Evangeliums.
Peggy Hill Ryskamp, Juni 1992
Erfahrungen anderer Genealogen
11:12 - 2008-May-18
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